Diplomatensymposium

In diesem Jahr bietet die Internationale Diplomatenausbildung ein einmonatiges Diplomatensymposium an. Das Symposium richtet sich an junge, in Deutschland bereits tätige Diplomatinnen und Diplomaten überwiegend aus Europa, dem Südkaukasus und Zentralasien. Es ermöglicht den Teilnehmenden, deutsche Politik, Wirtschaft und Kultur aus vielfältigen Perspektiven kennenzulernen. Vorträge, Fachgespräche und Diskussionen führen die Diplomatinnen und Diplomaten an berufsrelevante Aspekte Deutschlands heran. Sie gewinnen damit für ihre Arbeit wichtige Informationen und Kontakte.

 

Ob globale Fragen, Europa- oder Innenpolitik, ob Presselandschaft oder Wirtschaftspolitik, Kulturdialog oder Zivilgesellschaft: Aktuelle Themen bestimmen das Programm. Hochrangige Referierende aus allen gesellschaftlichen Bereichen vermitteln eine Tour d'Horizon durch Deutschland. Das Symposium erschließt den Teilnehmenden deutschlandweit Institutionen und macht sie mit Themen und Einblicken vertraut, die weiter reichen und tiefer gehen als ihr Berufsalltag. Dadurch gewinnen die jungen Diplomatinnen und Diplomaten neue Impulse und kompetente Partner für ihre Arbeit. Sie erweitern ihre Kooperationsmöglichkeiten, Gestaltungsspielräume und auch Karrierechancen. Das Programm findet hauptsächlich online statt.

 

Bericht vom Dipomatensymposium von Dr. Karolien Michiels (Belgien)

Das Diplomatensymposium 2020 war die COVID-19-bedingte Antwort auf das traditionelle Diplomatenkolleg, ein Programm für Diplomatinnen und Diplomaten, die nach Berlin entsandt sind. Die diesjährige Ausgabe war kürzer, aber intensiv, mit zehn Programmtagen in nur vier Wochen.

 

Die Mehrheit der 15 Teilnehmenden war erst vor kurzem nach Berlin gezogen und das in einer Zeit von virtuellen Treffen und Homeoffice. Die Möglichkeit, persönlich an dem Programm teilzunehmen, stieß deshalb auf spürbare Begeisterung und schuf eine sofortige Atmosphäre der Vertrautheit.

 

Wenn auch die Modalitäten anders waren, so blieben die Inhalte doch von der gleichen Qualität von der bereits meine Kollegen in der Botschaft geschwärmt hatten. Sie boten einen weiten Überblick zu den für das Verständnis Deutschlands entscheidenden Themen: von Politik und Staatsaufbau über Umweltpolitik bis hin zur Medienlandschaft und gesellschaftlichen Herausforderungen.

 

Es wäre wohl ein gewagtes Unterfangen, alle Beiträge zusammenfassen zu wollen. Als Diplomatin eines Nachbarlands war ich fasziniert, wichtige Unterschiede in der Organisation unserer jeweiligen Ministerien zu sehen; ich war erfreut, dass es beispielsweise einem Redner gelang, die grundlegenden Herausforderungen des Haushalts aufzuzeigen, ohne sich in Formalitäten zu verzetteln; und es gefiel mir, nicht nur die deutsche, sondern die gesamteuropäische Sicherheit zu diskutieren.

Besonders fiel mir auf, dass Deutschland nicht nur stets in Europa präsent ist, sondern umgekehrt auch Europa in der deutschen Debatte, egal ob im Gesundheitswesen oder in den Deutsch-Chinesischen Beziehungen. Wir haben auch ein besseres Verständnis für den deutschen Polyzentrismus gewonnen, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft.

 

Die Pausen waren der perfekte Moment um Perspektiven aus verschiedenen Teilen der Welt zu hören: die neuseeländische Sichtweise auf die Indopazifik-Richtlinien; die wirtschaftlichen Beziehungen der Mongolei zu Europa; sich mit dem kasachischen Kollegen über das Land auszutauschen, in dem wir beide früher gelebt haben.

 

Nicht alles war auf staatliche Organisationen fokussiert. Wir hatten offene Gespräche mit einem ehemaligen Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie und dem Vorsitzenden des Vorstands der Investitionsbank Berlin. Besonders gut gefallen hat uns auch der Dialog über das Gesundheitswesen sowie die Tatsache, dass der Blick über COVID-19 hinausging.

 

Ein herzliches Dankeschön gebührt dem Team, das solche Lehrgänge organisiert. Ein ganz besonderer Dank ist angebracht, weil das Programm nach der ersten Woche aufgrund neuer COVID-19-Regelungen kurzfristig auf ein Online-Format umgestellt werden musste und weil das Veranstaltungsteam dies mit Bravour meisterte. Der technische Verlauf war einwandfrei; das Catering ein besonderer Grund dafür, dass wir an dem Versprechen uns wieder persönlich zu treffen festhalten; die Kompetenz, mit der die Sitzungen geleitet wurden, bemerkenswert. Die Wärme innerhalb der Gruppe war auch durch den Bildschirm spürbar. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren.